Cradle to Cradle: beste Variante der Kreislaufwirtschaft

Obwohl der Begriff und die Bedingungen utopisch klingen, beweisen viele Unternehmen, dass eine Umsetzung von Cradle to Cradle möglich ist.

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Cradle to Cradle - Recycling
Cradle to Cradle - Recycling

Auf den ersten Blick erscheint der Begriff Cradle to Cradle wie ein weiteres Modewort, welches dazu dient, um die deutsche Sprache zu bereichern. Eine genaue Auseinandersetzung mit dieser Thematik beweist jedoch das exakte Gegenteil. Von der Wiege zur Wiege; das ist die korrekte Übersetzung für die englische Bezeichnung. Insbesondere bei den drei Säulen der Nachhaltigkeit, welche sich auf die Vereinbarkeit von Ökologie, Ökonomie und Sozialem fokussieren, erfreut sich dieses Prinzip einer steigenden Beliebtheit. Weshalb? Weil es sich beim Cradle-to-Cradle um eine extreme Form der Nachhaltigkeit handelt.

Von der Wiege zur Wiege könnte auch als eine perfekte Form der Kreislaufwirtschaft betrachtet werden. Die Vorgehensweise agiert daneben als Gegensatz zu der Variante Cradle-to-Grave. Beim Letzteren landen Materialien im Müll; oder – wie der englische Begriff es besagt – im Grab.

Kreislaufwirtschaft - Circular Economy
Kreislaufwirtschaft – Circular Economy @europa.eu

Auf einen technischen oder biologischen Kreislauf fokussiert sich Cradle-to-Cradle bei seinen Erzeugnissen. Ganz nach dem Motto “Nichts ist unmöglich” konzentrieren sich Hersteller auf eine Produktion von Gegenständen, welche sich durch einen geschlossenen Kreislauf auszeichnen. Entweder sind die verwendeten Materien ungefährlich und ihre Rückkehr in die Atmosphäre unschädlich oder die Substanzen bestechen mit ihrer hohen Qualität und können dadurch erneut verwendet werden. 

Umweltexperten fordern eine zukünftige Gestaltung der Produkte, die dem Cradle-to-Cradle Rechnung trägt. Der Aspekt des Recyclings sollte mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Dabei geht es insbesondere um Inhaltsstoffe und Materien, welche während der Produktherstellung zum Einsatz kommen. Das Niveau ihrer Qualität soll stets verbessert werden.

Toxische Wirkung für Mensch, Tier, Umwelt? Fehlanzeige! Dieses Prinzip verfolgt zumindest Cradle-to-Cradle. Allerdings haben die Verantwortlichen logischerweise dabei nicht nur den Herstellungsprozess, sondern auch die Verwertung und Folgenutzung im Auge. So weit so gut. Theoretisch ist ja nahezu alles möglich. Doch wie sieht die Forderung nach Cradle-to-Cradle in der Praxis aus?

Laut Hersteller “verschwindet Rohöl, welches während des Produktionsprozesses von Kunststoffen zum Einsatz kam, nicht. Stattdessen bleibt es im Kreislauf.” Es lässt sich nicht so einfach und unwiederbringlich vernichten – oder besser gesagt verbrennen. Und wenn diese Energie – insbesondere für die Kreislaufwirtschaft aus erneuerbaren Energien gewonnen wird – entsteht aus einer PET-Flasche erneut eine PET-Flasche. Wunderbar, oder? (vgl. https://wmprof.com/de_at/at/nachhaltigkeit_4/cradle_to_cradle_11/cradle_to_cradle.html)

Cradle-to-Cradle – die weniger bekannte Marke

Bei Cradle to Cradle®  handelt es sich übrigens um eine registrierte Marke, welche zur McDonough Braungart Design Chemistry LLC gehört. Des Weiteren repräsentiert Cradle-to-Cradle CertifiedCM ebenso eine eingetragene Marke, welche Produkte zertifiziert, ausschließlich für das weniger bekannte Cradle-to-Cradle Products Innovation Institute, dessen Abkürzung C2CPII lautet. (vgl. https://wmprof.com/de_at/at/nachhaltigkeit_4/cradle_to_cradle_11/cradle_to_cradle.html)

Cradle to Cradle
Cradle to Cradle @Rex banditorCC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Vorteile von Cradle to Cradle

Das Cradle-to-Cradle-Prinzip erfreut sich – obwohl es noch nicht so bekannt ist – einer steigenden Beliebtheit, weil es mit zahlreichen Vorteilen besticht.

Vorzüge der Zertifizierung:

  • Unternehmen, die Cradle-to-Cradle praktizieren, schaffen ein Differenzierungsmerkmal, denn noch ist das Von der Wiege bis zur Wiege Prinzip weniger bekannt
  • Es existiert ein Rahmen, der zudem als Orientierung dient und den Unternehmen zeigt, wie sie bei einer Produkt- und Prozessoptimierung vorgehen sollten
  • Cradle-to-Cradle funktioniert als neutraler Beweis für die Verwendung von gesundheitsschonenden Inhaltsstoffen.

Produktvorteile:

  • Cradle-to-Cradle Produkte und Dienstleistungen verzeichnen im Laufe der Zeit eine beachtenswerte Umsatzsteigerung
  • Mittlerweile existieren physische und virtuelle Materialbibliotheken, in welche Produkte, die eine Cradle-to-Cradle Zertifizierung durchlaufen, aufgenommen werden
  • Die Cradle-to-Cradle Marke erfreut sich einer großen Beliebtheit

Aufgrund der genannten Vorteile steigt auch in unterschiedlichen Branchen die Popularität von Cradle to Cradle. Architekturbüros sowie anderweitige Bauunternehmen präferieren Produkte, die eine Zertifizierung von Cradle-to-Cradle nachweisen können.

Cradle-to-Cradle in der Modebranche

Doch nicht nur die Bau-, sondern auch die Modebranche setzt ein Zeichen für Slow Fashion und verdrängt damit Fast Fashion vom Markt. Sie nennen ihre Moderevolution Fashion Positive. Zu den Anhängern der neuen Bewegung gehören Moderiesen wie G-Star RAW, Loomstate oder Stella McCartney. 

Sie setzen die Cradle to CradleTM Prinzipien um. Somit gehören sie nicht zu den sogenannten Schwätzern oder Denkern, sondern zu den vorzeigbaren Designern. Gerade weil die Textilindustrie nicht nur die Umwelt, sondern die gesamten drei Säulen der Nachhaltigkeit extrem belastet, ist ein Umstieg auf Cradle-to-Cradle unabdingbar. Denn unter der Modebranche leiden Wassersysteme genauso wie lokale Arbeiter, die den Giftstoffen permanent ausgesetzt sind. 

Zudem haben auch Modeanhänger ihre Nachfrage nach unbedenklichen, ungiftigen und unschädlichen Kleidungsstücken erhöht. Konsumenten. Interessengruppen. Investoren. Dieses mächtige Trio hat seine Rolle in der Textilindustrie erkannt. Deshalb arbeitet das Trio an einer Richtungsänderung. Designer, Modemarken sowie Lieferanten nutzen Cradle-to-Cradle als Schablone, um Materialien sowie Erzeugnisse zu entwerfen, welche die Fashionwelt in einem positiven Licht erscheinen lassen. Das Ziel besteht darin, schädliche Lieferketten in wertschöpfende Prozesse zu verwandeln, damit für die Modebranche und den Blauen Planeten weiterhin nutzbare Rohstoffe in einer ausreichenden Menge vorhanden bleiben.

Im Vergleich zur Kreislaufwirtschaft stellt das Prinzip Cradle to Cradle Möglichkeiten vor, wie Textilunternehmen ihre Herstellungsprozesse zugunsten der drei Säulen der Nachhaltigkeit und der sogenannten perfekten Kreislaufwirtschaft transformieren können. PUMA hält viel von dieser Methode, weil der Textilriese diese Herstellungsweise praktiziert.

Jedes Unternehmen, welches auf “Von der Wiege bis zur Wiege” umsteigt, reduziert seinen ökologischen und seinen CO2-Fußabdruck. Zudem tragen sie zu einer Imageaufpolierung bei. Eine Imageverbesserung aus gutem Grund. Der Marktwert erhöht sich ebenfalls und die Beliebtheit bei den Käufern steigt. (vgl. https://www.omnicert.de/vorteile)

Auch die günstigere Modekette von C&A hält viel von Cradle to Cradle. Im Jahre 2018 testete das Unternehmen die Akzeptanz seiner Kunden, indem es ein eigenes T-Shirt einführte. Da sich dieses Kleidungsstück einer großen Beliebtheit erfreute, erweiterte das Unternehmen sein Angebot. Fashionvictims können mittlerweile bei Bedarf eine ganze Kollektion erwerben, die aus dem Prinzip von der Wiege bis zur Wiege stammt. (vgl. https://gruenderplattform.de/unternehmen-gruenden/cradle-to-cradle#beispiele)

Trigema produziert Sport- und Freizeitmode. Nicht nur das: Auch dieses Textilunternehmen bietet Cradle-to-Cradle Kleidungsstücke an. Ein weiterer Pluspunkt: Das Modeunternehmen stellt seine Textilien nur in Deutschland her. Es achtet zudem auf eine ressourcenschonende Produktion. Eine spezielle Kollektion namens Chance verfügt über die C2C-Zertifizierung. Die Kleidungsstücke bestehen aus Bio-Baumwolle. (vgl. https://www.trigema.de/nachhaltigkeit/cradle-to-cradle/)

Cradle-to-Cradle in der Reinigungsbranche

Nicht nur die Textilindustrie hat die Vorzüge des Cradle-to-Cradle entdeckt. Auch die Reinigungsbranche nutzt das Prinzip. Die Reinigungsprodukte der Marke Frosch stammen von der Firma Werner & Merz. Bereits im Jahre 2013 erhielt das Unternehmen eine C2C-Zertifizierung. Da auch weitere Produkte nach dem Prinzip folgten, erhielten die Frosch-Produkte einen Award: 2015. Sein Name lautet Cradle-to-Cradle Products Innovator Award.

Cradle-to-Cradle in der Raumausstattungsbranche

Eine große Mehrheit der Industrieländer verbringt ihre Zeit in Räumen; genauer gesagt in Büroräumen. Deshalb war es an der Zeit, Cradle-to-Cradle auch in dieser Hinsicht einzuführen. Steelcase übernahm die Vorreiterrolle. Denn das Unternehmen unterstützt Menschen dabei, engagiert und produktiv ihrer jeweiligen Tätigkeit nachzugehen. Deshalb gestaltet Steelcase intelligente Büros.

Doch wie genau geht Steelcase vor, um diese Ziele zu verwirklichen? Das Unternehmen schmeißt giftige Chemikalien aus seinem Herstellungs- und Lieferprozess. Dadurch trägt es den Anforderungen der Nachhaltigkeit Rechnung. Als Beispiel dient der Bürostuhl, dessen Name Think lautet. Weshalb Think? Weil er überwiegend aus wiederverwertbaren Rohstoffen besteht. Zudem enthält der Stuhl zahlreiche, austauschbare Einzelteile. Langlebigkeit fungiert als besonderes Merkmal. Im Falle der Notwendigkeit einer Entsorgung, punktet das Produkt mit seiner mühelosen Demontage. Darüber hinaus sind sämtliche Komponenten gekennzeichnet. Sortenreine Trennung, willkommen.

Cradle-to-Cradle in der Schreibwarenbranche

Stabilo – diese qualitativen, hochwertigen Filzstifte basieren auf Cradle to Cradle. Wer hätte das gedacht? Sie vermitteln den Eindruck als seien sie umweltfeindlich. Dem ist jedoch nicht so. In unterschiedlichen Farben ist der Greenpoint-Filzstift erhältlich. Nicht nur das: Er setzt sich aus bis zu 87 Prozent aus wiederverwertbaren Rohstoffen zusammen. Sein Cradle-to-Cradle Zertifikat stammt aus der Kategorie Silber.

Cradle-to-Cradle in der Kosmetikbranche

Kosmetik spielt im Alltag eine unterschätzte Rolle. Die einen nutzen Kosmetikprodukte mehr, die anderen weniger. Aber Fakt ist: Jeder verwendet Kosmetikprodukte für die tägliche Hygiene. Deshalb haben einige Kosmetikhersteller das Cradle-to-Cradle Prinzip in ihren Herstellungsprozess integriert. Darüber hinaus sollten Körperpflegeprodukte dem größten Sinnesorgan des Menschen NICHT schaden. Denn über die Hautöffnungen gelangen sie in den Organismus. Dort können sie Beschwerden verursachen. Kosmetikerzeugnisse, welche die Anforderungen von Cradle-to-Cradle erfüllen tun der Umwelt und den Verbrauchern gleichermaßen gut.

Deshalb hat die Naturkosmetikmarke Aveda für Frauen und Männer Cradle to Cradle Kosmetikprodukte entworfen. Shampoo und Spülung fallen in diese Kategorie. Außerdem punktet die Verpackung in Sachen Umweltfreundlichkeit. Sie lässt sich auseinandernehmen und wiederverwenden. Selbstverständlich bestehen Shampoo und Spülung aus natürlichen Inhaltsstoffen. Ferner verlässt sich Aveda auf die Kraft der Natur in puncto Energiegewinnung. Denn das Unternehmen setzt auf erneuerbare Energien wie beispeilsweise Wind. (vgl. https://www.aveda.de/the-Aveda-way)

Video: Was ist Cradle to Cradle?
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Die Bedeutung von Cradle to Cradle für Unternehmen

Wie die Beispiele zeigen, nimmt die Bedeutung von Cradle-to-Cradle für Unternehmen zu. Unterschiedliche Branchen entdecken den Trend der perfekten Kreislaufwirtschaft. Einer großen Beliebtheit erfreut sich das Konzept von der Wiege bis zur Wiege, weil die Erzeugnisse nie auf dem Müllplatz landen – idealerweise. Sie lassen sich nahezu vollkommen zu neuen Produkten umstrukturieren. Mithilfe von erneuerbaren Energien kommt Cradle-to-Cradle dem perfekten Kreislauf der Natur gefährlich nahe.

Produzenten sind daran interessiert, Materialien zu wählen, welche eine erneute Verwendung mühelos ermöglichen. Dank dieser Denk- und Handlungsweise profitieren Unternehmen langfristig von komparativen Konkurrenzvorteilen. Darüber hinaus erhöhen sie ihren Umsatz. Momentan zeichnen sich jedoch Cradle-to-Cradle Produkte durch höhere Preise aus als die günstigen, nicht wiederverwertbaren Konkurrenzprodukte.

Zertifizierungsklassen von Cradle to Cradle

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Cradle-to-Cradle nicht nur um ein Herstellungsprinzip, sondern auch um eine eingetragene Marke. Was war denn das genau? Eine Marke fungiert als Bild, welches in der Wahrnehmung der Verbraucher verankert ist. Sie setzt sich zusammen aus einem Symbol und einem Namen. C2C ist eine Marke des Cradle-to-Cradle Innovation Insitute. Der Sitz befindet sich in Kalifornien in Oakland. Eine weitere Niederlassung existiert in den Niederlanden, in Amsterdam. Dieses Insitiut führt neben der Zertifizierung auch eine Unterteilung des Produkts durch. Die Kategorien setzen sich zusammen aus:

  • Basic
  • Bronze
  • Silber
  • Gold 
  • Platin

Somit existieren fünf unterschiedliche Level, die mit dem C2C-Product Standard ausgezeichnet werden können. Damit ein Produkt ein Kennzeichen eines bestimmten Niveaus erhält, sollte es den vorgeschriebenen Mindestkriterien in sämtlichen fünf Kategorien entsprechen.

Die C2C-Zertifizierung weist bedeutende Unterschiede zu herkömmlichen Umweltzeichen auf: Es handelt sich dabei um einen ganzheitlichen Bewertungsansatz von Erzeugnissen sowie Produktionsprozessen, Verfahren und Rohstoffen. Damit Produkte ein vorgeschriebenes Level erreichen, müssen sie den Bedingungen auf sämtlichen Ebenen Rechnung tragen.

Die unterschätzte Rolle der Materialgesundheit

Das Institut inspiziert die Lieferkette. Es macht eine Bestandsaufnahme sämtlicher Inhaltsstoffe, um deren ökotoxigolischen sowie die toxikologischen Eigenschaften festzustellen. Darüber hinaus sollten sämtliche Produktbestandteile und Inhaltsstoffe bekannt sein. Dies gilt insbesondere für die verwendeten Chemikalien. Sie lassen sich einer eindeutigen Chemical Abstracts Service-Nummer zuordnen. Für diese Aufgabe ist ein C2C-Materialgutachter verantwortlich. Als Orientierungshilfe nutzt er eine C2C-Chemikalienbewertungsliste.

Die Kriterien sind streng. Sie verlangen einen Rausschmiss oder einen Ersatz von gesundheitsgefährdenden, umweltschädlichen sowie unbekannten Chemikalien. Sämtliche Bestandteile eines Erzeugnisses sollen aus gesunden Nährstoffen bestehen, welche mühelos in die Kreislaufwirtschaft integriert werden können.

Beim Level Basic in puncto Materialien erfolgt eine Charakterisierung: Aluminium, Coatings, Polyethylen oder Stahl. Anschließend legen die Fachkräfte den Kreislauf fest: Biologisch oder technisch? Diese Frage beantworten sie. Idealerweise ist das Erzeugnis frei von Substanzen, welche sich auf der Banned List befinden. Dabei handelt es sich um eine Liste, die verbotene Chemikalien enthält. 

Sofern ein Produkt die Auszeichnung Bronze erhält, hat die Bewertungskommission über 75 % der Bestandteile des jeweiligen Produktes aufgrund der C2C-Chemikalienliste akzeptiert. Seifen und Kosmetika, die von der Herstellung bis zur Entsorgung den Anforderungen eines biologischen Kreislaufs entsprechen, genießen eine Bewertung in Höhe von 100 %. Darüber hinaus entwickeln Experten eine Strategie, um Bestandteile, die weniger wünschenswert sind, zu ersetzen.

Level Silber verlangt, dass über 95 % der Inhaltsstoffe der Erzeugnisse laut der C2C-Bewertungsliste akzeptiert werden. 100 % biologisch abbaubare Produkte wie feste Shampoos, Duschgele oder Bodylotions genießen einen Sonderstatus. Produkte, welche die Bewertung Silber erhalten, verursachen weder Krebs noch genetische Schäden bei ungeborenen Kindern.

Gold repräsentiert eine 100%-ige Akzeptanz der Chemikalien laut der C2C-Liste. Des Weiteren erhalten Gold-Produkte keine schädlichen Inhaltsstoffe. Stattdessen erfüllen die Bestandteile sämtliche C2C-Emissionsnormen.

Eine Stufe über Gold liegt das Level Platin, weil es keinen einzigen, bedenklichen Inhaltsstoff enthält.

Die  Materialwiederverwendung als unverzichtbarert Bestandteil der Cradle-to-Cradle Zertifizierung

Hersteller entwerfen ihre Erzeugnisse so, dass diese sich entweder biologisch abbauen lassen oder wiederverwendet werden können. Im biologischen und technischen Kreislauf gleichermaßen. Des Weiteren fordert das Institut von den Unternehmen bei sämtlichen Zertifizierungsstufen Fortschritte zu verwirklichen. Auf diese Weise erfolgt eine Verbesserung der Kreisläufe in Bezug auf die Materialien.

Produkte befinden sich auf einer biologischen oder technischen Kreislaufliste. Sie fungiert als Konzept für eine erfolgreiche Umsetzung. Dieser Prozess zeichnet sich jedoch durch eine Komplexität aus. Denn die Kreislauffähigkeit der Produkte sowie der Bestandtteile ermitteln Experten mithilfe eines Kreislaufindexes. Die Skala beläuft sich auf einer Spanne zwischen 0 und 100. Doch die entscheidende Frage lautet:

Video: Cradle to Cradle Certified
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Wie berechnen Experten den Kreislaufindex für sämtliche Zertifizierungslevel?

Die nachfolgenden Kriterienindizes fungieren als Orientierungshilfe:

Beim Basic Level zeichnen sich Einzelmaterialien eines Produktes durch eine Nutzungsmöglichkeit für den technischen oder biologischen Kreislauf aus. Das Bronze Level verlangt einen Kreislauffähigkeitsindex der größer oder gleich 35 ist. Beim Silber Level hingegen beläuft sich der Wert auf 50. Gold Level erreichen nur Erzeugnisse, deren Kreislauffähigkeitsindex über 65 Punkten liegt. Platinum Level steht für einen Kreislauffähigkeitsindex in Höhe von 100.

Die Berechnungsformel lautet:

(( Anteile des Produktes, die recycelbar sind in %)*2 + (Anteile von Recycling-Materialien oder schnellnachwachsenden Rohstoffen, die sich im Produkt befinden) / 3 ) * 100

Kreislauffähigkeitsindex Omnicert
Kreislauffähigkeitsindex Omnicert @omnicert.de

https://www.omnicert.de/cradle-to-cradle-kreislaufwirtschaft/produkt-standard

Erneuerbare Energien fungieren als unverzichtbarer Bestandteil des Cradle-to-Cradle Zertifizierungsverfahrens

Es erfolgt eine Erfassung des Energieverbrauchs sowohl als Ganzes als auch anteilig. Das Ziel besteht darin, bis zu 100 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen. Sie tragen den Ansprüchen der perfekten Kreislaufwirtschaft Rechnung.

Beim Basic Level findet eine Berechnung des jährlichen Stromverbrauchs sowie einer direkten Vor-Ort-Emission-Berechnung, die mit dem Herstellungsprozess des jeweiligen Produktes zusammenhängen, statt. Beim Bronze Level erfolgt die Ausarbeitung der Strategie zur Verwendung der erneuerbaren Energien. Zudem erfolgt die Entwicklung eines Kohlenstoff-Managementplans. Silver Level stellt logischerweise eine Steigerung dar. Für die Produktherstellung bestehen bis zu 5 Prozent des genutzten Stroms aus erneuerbaren Energien. Falls dem nicht so ist, kompensieren die Hersteller diese aus erneuerbaren Energie-Projekten. Auch eine 5%-ige Kompensation der Vor-Ort-Emissionen findet statt.

Die Bezeichnung Gold erhalten Produkten, deren Strom bis zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Zudem erfolgt eine Kompensation der Vor-Ort-Emissionen in Höhe von 50 Prozent. 

Platin macht einen deutlichen Sprung. Hier stammen 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien oder es erfolgt eine 100%-ige Kompensation mithilfe von erneuerbaren Energie-Projekten. Zudem findet eine Kompensation der Vor-Ort-Emissionen in Höhe von 100 Prozent statt. Ferner kann der Energieverbrauch des jeweiligen Erzeugnisses bis zum Werkstor verfolgt werden, da er einer Charakterisierung und Quantifizierung unterliegt. Zudem haben Hersteller eine Strategie für eine Verbesserung entwickelt. Sofern eine Rezertifizierung erfolgt, legen Produzenten ihre Fortschritte offen.

Wasser ist ein knappes Gut

Der Blaue Planet besteht überwiegend aus Wasser. Dennoch herrscht in zahlreichen Ländern Wassermangel. Des Öfteren sind Industrieländer für diesen Mangel verantwortlich. Sie verbrauchen bei der Herstellung von Produkten zu viel Wasser; oder verunreinigen es mit ihren Chemikalien während des Herstellungsprozesses. 

Auch wenn Unternehmen dazu verpflichtet sind, mit der knappen Ressource Wasser verantwortungsvoll umzugehen, sieht sich das Cradle-to-Cradle Prinzip gezwungen die Handlungsweise zu kontrollieren und die Level anhand des Wasserverbrauchs zu vergeben.

Basic bedeutet beim Wassermanagement, dass Produzenten keine Vorschriften in Bezug auf die Abwasser-Einleitungsgenehmigung verletzen oder in den letzten zwei Jahren verletzt haben. Darüber hinaus halten sie geschäftsspezifische sowie örtlliche Wasserprobleme fest. Wasserknappheit? Sind empfindliche Ökosysteme gefährdet? Diese beiden Fragen können Unternehmen unmittelbar beantworten. Ferner haben Firmen eine Wassermanagement-Strategie, die ein permanentes Verbesserungspotenzial aufweist, entwickelt.

Beim Bronze Level erfolgt die Durchführung eines Wasseraudits. Silber hingegen verlangt eine Charakterisierung der produktbezogenen Prozesschemikalien, die in das Abwasser gelangen. Sie sind charakterisiert und bewertet. Ebenso findet regelrecht eine Verbesserungsstrategie statt. Gold unterscheidet sich von Silber in Bezug auf die Prozesschemikalien, die im Abwasser landen, weil es als Optimierung der Silver-Level-Strategie dient. Platin wiederum agiert als Sahnehäubchen auf der Torte. Wie das denn? Bei diesem Level weist das Wasser, welches aus der jeweiligen Herstellungsanlage stammt, Trinkwasserqualität auf.

Die Erfüllung der sozialen Standards im Cradle to Cradle Prinzip

Auch die sozialen Standards spielen eine wichtige Rolle im Cradle to Cradle Prinzip. Beim Basic Level führen Experten ein Audit durch, um zu überprüfen, ob sämtliche Menschenrechte seitens der Unternehmen eingehalten werden. Außerdem liegt eine Strategie vor, die Maßnahmen für eine LInderung der dargestellten Schwierigkeiten unterbreitet.

Bei Bronze zeichnet sich das Audit durch einen höheren Grad der Umfassung aus. Die Strategie der jeweiligen Firmen basiert auf dem Global Compact Tool der Vereinten Nationen. Silber fokussiert sich auf themenbezogene sowie materialspezifische Zertifizierungen sowie Audits. Fairtrade oder FSC-Siegel agieren als gutes Beispiel für dieses Level von Cradle to Cradle.

Gold steht dafür, dass mindestens zwei Silver-Level Anforderungen umgesetzt wurden. Platin wiederum bestätigt, dass die jeweilige Anlage sowohl nach einem anerkannten als auch von einem unabhängigen Sozialstandard auditiert wurde. (vgl https://www.omnicert.de/cradle-to-cradle-kreislaufwirtschaft/produkt-standard)

Warum sträuben sich Unternehmen gegen Cradle to Cradle?

Unternehmen sträuben sich größtenteils gegen Cradle to Cradle, weil sie dabei umfangreiche und komplexe Kriterien erfüllen müssen. Hin und wieder sind die Forderungen ungenau. Die meisten Firmen wollen jedoch genaue Vorschriften. Umstellungen kosten schließlich Zeit und Geld, weshalb sie exakt formuliert sein sollten. Darüber hinaus weisen Erstzertifizierungen hohe Preise auf.  Die erste Zertifizeirung kostete um die 3.000 Euro. Zudem müssen Unternehmen diese in einem Zwei-Jahres-Rhythmus erneuern. Auch das ist nicht günstig: 1.750 Euro. Der Bekanntheitsgrad von Cradle-to-Cradle ist ferner in China, den USA und Niederlanden sowie Dänemark weitaus höher als in Deutschland. Die Verbraucher Deutschlands kennen das C2C-Logo kaum. 

Fazit zu Cradle to Cradle

Cradle-to-Cradle kann als wunderbarer Impuls für Unternehmen dienen. Obwohl der Begriff und die damit geforderten Bedingungen utopisch klingen, beweisen zahlreiche Unternehmen, dass eine Umsetzung von Cradle-to-Cradle möglich ist. Im Vordergrund steht laut Experten nicht das Level, welche die Zertifizierungsstelle den Produkten zuordnet, sondern die Tatsache, dass Unternehmen aktiv zugunsten der drei Säulen der Nachhaltigkeit handeln.

Das Cradle-to-Cradle Konzept punktet mit seiner zukunftsorientierten Denkweise. Im Vordergrund steht eine faire Verteilung von Rohstoffen. Allerdings ist Cradle-to-Cradle darauf erpicht, Unternehmen zu einem nachhaltigen Handeln zu motivieren. Umweltexperten betrachten diese Prinzip als ein perfektes Konzept der Kreislaufwirtschaft, welches die Bedingungen der Natur respektiert.