Trinkwasserknappheit fördert Armut, Konflikte & Krankheiten

Alles wird sich ändert, wenn die Theorie der Trinkwasserknappheit auch in Deutschland zur bitteren Realität in der Praxis wird. Wir müssen handeln!

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Trinkwasserknappheit - Wasser aus Glaskrug
Trinkwasserknappheit - Wasser aus Glaskrug @umweltmission.de

Es existiert ein Gut, das wertvoller ist als Öl oder Gold. Auch wenn es niemand offen zugibt, bedeutet das nicht, dass dieser Rohstoff weniger wertvoll ist als die Ressourcen, die sich einer großen Popularität erfreuen. Der Name dieses Lebenselixiers lautet Wasser. Der menschliche Körper besteht überwiegend aus Wasser. Kein Lebewesen kann ohne Wasser existieren. Leider ist dieses Gut so selbstverständlich, dass Viele die Existenz des Wassers nicht wertschätzen. Doch der Tag wird kommen – spätestens dann, wenn auch die Industrienationen den Begriff Trinkwasserknappheit zu spüren bekommen. Alles ändert sich, wenn die Theorie der Wasserknappheit zur bitteren Realität in der Praxis wird.

Wofür steht der Begriff Trinkwasserknappheit?

Der Begriff Trinkwasserknappheit bezieht sich auf einen ausgeprägten Wassermangel. Mit dieser Bezeichnung ist der Mangel an trinkbarem Süßwasser in betroffenen Gebieten weltweit gemeint. Gängige Synonyme für die Trinkwasserknappheit sind Wasserkrise, Wassernotstand und Wassermangel. (vgl. https://www.careelite.de/wasserknappheit/#definition ; Zugriff am 22.5.2022)

Ist in Deutschland das Trinkwasser knapp?

Noch genießt Deutschland den Status: Grundwasser ausreichend. Auch wenn regionale Unterschiede bestehen, ist das Wasserangebot dennoch in vereinzelten Gebieten aufgrund von verschiedenen Niederschlagsmengen unterschiedlich. Die Differenzen resultieren aus der Ergiebigkeit der Grundwasservorkommen. Auch die Verfügbarkeit von Oberflächengewässern weist erhebliche Unterschiede auf, woraus dann ein geringeres Wasserangebot resultiert. Zudem ist in Ballungsräumen und Städten der Wasserbedarf größer als in Wohngebieten mit einer geringen Einwohneranzahl.

Dass auch Deutschland von einer Trinkwasserknappheit nicht verschont bleibt, bewies der Sommer 2020. Damals herrschte in verschiedenen Gebieten Deutschlands eine Wasserknappheit. Infolgedessen rief die Gemeinde Grävenwiesbach in Hessen einen Trinkwassernotstand aus. In Lauenau hingegen konnten die Bewohner lediglich in Supermärkten Trinkwasser erwerben. Weshalb gab es im Sommer 2020 eine Trinkwasserknappheit auch in Deutschland? Weil eine lange Trockenzeit herrschte.

Aktuell hält sich jedoch der Wassermangel in Deutschland in Grenzen. Wie der Sommer 2020 jedoch bereits bewies, kann sich das Blatt schlagartig wenden. Selbst wenn die Trinkwasserknappheit in den Jahren 2018, 2019 und 2020 auf einzelne Gebiete beschränkt war, existierten in zahlreichen Rohwasserquellen und Talsperren kaum noch Wasserreserven. Das liegt daran, dass das Wassersystem intensiv beansprucht wird. Und weil das Wetter weiterhin extremen Schwankungen unterliegen wird, werden die Wasservorräte weiterhin sinken.

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Existiert ein Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Trinkwasserknappheit?

Aufgrund des Klimawandels kommt es vermehrt zu Trocken- und Dürreperioden. Nicht nur die Landwirtschaft, Wälder und Schifffahrt gehen als sogenannte Opfer aus der Trockenheit hervor, sondern auch das Grundwasser. Ein Anstieg der Temperatur verursacht Trockenjahre. Diese wiederum senken den Grundwasserspiegel. Auch ein gelegentlicher Starkregen fungiert nicht als Problemlösung. Und warum kann ein starker Regen die Trinkwasserknappheit NICHT ausgleichen? Weil es mehrere Jahre dauert, bis das Regenwasser zum Grundwasser durchdringt. Theoretisch sollte es mehrere Jahre hintereinander heftig regnen, damit die Trinkwasserknappheit besiegt wird. Auf diese Weise regeneriert sich der Grundwasserspiegel.

Ferner weisen Forscher darauf hin, dass riesige Wassermengen aufgrund von Regen oder Verdunstung im Meer landen – anstatt sich auf den Weg zum Grundwasser zu machen. Berichten zufolge verzeichnet Deutschland einen starken Wasserrückgang. Klimaforscher sehen momentan keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Wasserknappheit. Sie vertreten die Auffassung, dass eine Beschränkung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad keine negativen Folgen für die Wasserknappheit bedeutet.

Wenn nun also der Klimawandel nur bedingt für die Trinkwasserknappheit verantwortlich ist, lautet die logische Frage: Was sind die Ursachen für die Trinkwasserknappheit?

Worin liegen die Ursachen der Wasserknappheit?

Natürliche Gegebenheiten wie eine Wasserverdunstung verursachen einen Wassermangel. Allerdings sind diese im Vergleich zu den anthropogenen Ursachen der Wasserkrise bedeutend gering.

Die wachsende Weltbevölkerung benötigt mehr Wasser und beschleunigt somit den Wassermangel. Denn 1980 gab es auf dem Blauen Planeten lediglich 4,4 Milliarden Menschen. Mittlerweile sind es fast doppelt so viele. Infolgedessen steigt logischerweise der Bedarf an Trinkwasser. Auch der Lebensmittelbedarf steigt rapide an. Zudem gedeihen Lebensmittel nur mit einer ausreichenden Bewässerung. Leider dringen auf diese Weise auch mehr Giftstoffe in das Grundwasser, denn der Konsum fördert die Nutzung von Pestiziden und weiteren Stoffen, die das Grundwasser verunreinigen.

Der steigende Fleischkonsum oder die permanente Nachfrage nach Fast Fashion zählen zu den Ursachen, welche den Wassermangel begünstigen. Zwar fokussieren sich Umweltexperten bei der Ursachenforschung meistens auf den direkten Wasserverbrauch, doch sie lassen die indirekte Wassernutzung keineswegs außer Acht. Denn der indirekte Wasserverbrauch spielt bei der Herstellung von industriellen und landwirtschaftlichen Produkten eine große Rolle.

Wieso begünstigt der Konsum und der Nahrungsmittelanbau die Wasserknappheit? Weil die Lebensmittel und auch das Tierfutter ohne eine konstante, satte Bewässerung nicht gedeihen. Auch das Weidevieh benötigt Wasser. 15.500 Liter Wasser sind für die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch erforderlich. Niemand stellt sofort einen Zusammenhang zwischen einem Fleischkonsum und der Trinkwasserknappheit her, weil er versteckt ist.

Schlechtes Wassermanagement verursacht Trinkwasserknappheit

Es liegt nicht nur an der hohen Anzahl der Weltbevölkerung, sondern auch an der fortschreitenden Urbanisierung. Denn aufgrund der Verstädterung steigt der Süßwasserbedarf der Haushalte stark an. 2018 gingen die Bewohner Kapstadts in Südafrika tatsächlich durch eine Wasserkrise. Extreme Dürre, mangelnde Bewirtschaftung der Wasserressourcen sowie ein unsachgemäßer Verbrauch des Wassers verursachten eine Trinkwasserknappheit. Schlimmer noch: Das Trinkwasser war weg, verschwunden und tatsächlich nicht mehr vorhanden.

Doch nicht nur Südafrika leidet aufgrund eines schlechten Wassermanagements gelegentlich unter Trinkwasserknappheit, sondern auch China. Denn die Angaben der Weltbank belegen, dass sich die erneuerbaren Wasserressourcen pro Einwohner auf ca. 2018 Kubikmeter pro Jahr belaufen. Und das sind 75 Prozent weniger als es beim weltweiten Durchschnitt der Fall ist. (vgl. https://earth.org/causes-and-effects-of-water-shortage/ Zugriff 23.5.2022)

Wasserverschmutzung in Flüssen
Wasserverschmutzung in Flüssen @umweltmission.de

Wasserverschmutzung fördert Wasserkrisen

Wasserverschmutzung gehört ebenso zu den Faktoren, welche die Trinkwasserknappheit begünstigen. Verunreinigtes Wasser lässt Menschen schneller sterben. Denn es stehen weniger als ein Prozent des Süßwassers des Blauen Planeten zur Verfügung. Infolgedessen bedrohen anthropogene Aktivitäten die Wasserressourcen.

Demzufolge stellt sich die Frage: Woraus resultiert die Wasserverschmutzung? Nun, sie stammt aus unterschiedlichen Quellen. Abwässer sind der Ursprung allen Übels, denn wenn man den Berichten Glauben schenkt, fließen mehr als 80 Prozent der weltweiten Abwässer einfach skrupellos, rücksichtslos und mühelos in die Natur zurück. Dabei handelt es sich um Abwässer aus landwirtschaftlichen und industriellen Betrieben. Pestizide und Giftchemikalien landen im Grundwasser und verunreinigen das nahegelegene Süßwasser. Das Resultat nennt sich: Sinnlose Verschmutzung einer sinnvollen Wasserressource. Infolgedessen steht den Menschen noch weniger Süß- und Trinkwasser zur Verfügung.

Da nun die Ursachen des Wassermangels bekannt sind, stellt sich die Frage nach den Konsequenzen des Trinkwassermangels.

Folgen der Trinkwasserknappheit

Laut den Vereinten Nationen ist der Zugang zu Süßwasser ein unanfechtbares sowie grundlegendes Recht des Menschen. Lehnt man sich bei dieser Aussage an die Bedürfnispyramide von Maslow an, ist den Vereinten Nationen beizupflichten. Denn das erste Grundbedürfnis der Menschen ist Essen und Trinken. Zudem richtet sich ein Verlust zum Trinkwasserzugang nachteilig auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und auf das menschliche Leben aus. Denn der Mensch besteht größtenteils aus Wasser und benötigt es, um zu überleben. Nicht nur das menschliche Leben leidet unter einem Wassermangel, sondern auch der Weltfrieden und die damit verbundene Sicherheit.

Bedürfnispyramide nach Maslow
Bedürfnispyramide nach Maslow

Wasserknappheit sorgt für Ernährungsunsicherheit

Für die Lebensmittelproduktion ist Wasser eine notwendige Bedingung. Berichten zufolge fließen 70 Prozent des Süßwassers in die Agrarproduktion. Die Bewässerung ist für den Einsatz der Düngemittel, Pestizide und Viehzucht erforderlich. Weil die Weltbevölkerung stets wächst, muss die Agrarproduktion bis 2050 um weitere 70 Prozent ansteigen. Nur so kann sie mit der Nachfrage nach Süßwasser mithalten. Infolgedessen wird das Süßwasser noch wichtiger als es ohnehin schon ist.

Das Welternährungsform veröffentlichte im Februar 2021 einen Bericht, der offenlegte, dass die Trockenheit 13 Millionen Menschen in Afrika an Hunger leiden lässt. Dürreperioden waren unter anderem für dieses Leiden verantwortlich. Schließlich haben sie das Nahrungsmittelangebot dezimiert. Tiere starben und die Nahrungsmittelpreise schossen in die Höhe. Infolgedessen können Familien weniger oder kaum Lebensmittel kaufen. Außerdem verzeichneten Orte in Afrika hohe Unterernährungsraten. Es handelt sich keineswegs um eine Übertreibung, wenn die UN vor einer Verschlechterung der Lage und einer möglichen humanitären Krise warnt. Die Ernährungsunsicherheit aufgrund der Wasserknappheit ist berechtigt.

Aus einer Wasserkrise resultieren brutale Konflikte

DIE Wasserkrise betrifft nicht nur die jeweilige Region, in der das Wasser knapp ist, sondern die gesamte Menschheit. Wasserknappheit erhöht den Konkurrenzkampf zwischen den Wasserverbrauchern, was wiederum zu leichten bis schwerwiegenden Konflikten führt. Die Konflikte wiederum gefährden – früher oder später – viele Menschenleben.

In Indien verursachen Dürreperioden zwischen Wasserverbrauchern starke Konflikte – dabei spielt es keine Rolle, dass diese zunächst “nur” auf einer lokalen Ebene ablaufen. Die Menschen sind lokal, national und global auf die Ressource Wasser angewiesen. Das, was sich auf einer lokalen Ebene abspielt, schwappt eines Tages auf die globale Ebene über. Denn von den lokalen Konflikten folgte eine Ausweitung auf grenzüberschreitende Streitigkeiten.

Indien geriet mit seinem Nachbarland Pakistan in einen totgeschwiegenen Wasserkonflikt. Neben politischen Fragen tauchte auch der Wasserstreit auf. Denn die beiden Staaten streiten seit mehreren Jahrzehnten um Staudämme und Infrastrukturprojekte, welche den Wasserfluss nach Pakistan regulieren. Zudem werden in ein paar Jahren die Gletscher des Himalaya aufgrund der Klimaerwärmung schrumpfen. Langfristig leidet die Grundwasserneubildung unter diesem Vorgang.

Auch in Ägypten gibt es Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Denn durch den Bau des Grand Ethiopian Renaissance Damms leidet die Wasserversorgung am Oberlauf des Nils. Auch wenn der Damm für Äthiopien eine Wohltat für die drei Säulen der Nachhaltigkeit darstellt, weil er 67 Prozent der Bevölkerung mit Energie versorgt, verliert Ägypten dadurch fast 40 Prozent der gesamten Wasserversorgung. Woher stammt dieser Gegensatz? Nun, er resultiert daher, dass der Damm die Wassermenge flussabwärts deutlich reduziert. Infolgedessen könnte Ägypten das Militär einschalten, um seine Wasserressource zu schützen. Dies ist ein deutliches Beispiel, welches demonstriert, wie schnell ein Krieg aufgrund der Trinkwasserknappheit ausbrechen kann.

Wasserknappheit - Wasser aus Glaskrug
Trinkwasserknappheit – Wasser aus Glaskrug @umweltmission.de

Wasserknappheit verwandelt Wasser in eine Ware

Gold, Öl und andere wertvolle Rohstoffe haben Gesellschaft bzw. Konkurrenz bekommen: Wasser. Denn die Ressource hat sich zu den genannten Rohstoffen dazugesellt – an der Wall Street. Nicht umsonst verstärken sich die Befürchtungen von Experten. Denn der Markt könnte die Auswirkungen der Trinkwasserknappheit verschärfen und den Konkurrenzkampf erhöhen.

Auch wenn der US-amerikanische Markt für den Wasserhandel der erste dieser Art ist, erfuhr er eine hohe Einführung. Was war hoch? Der finanzielle Wert war haushoch. Er belief sich auf eine Ziffer in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar. Zudem war er an die Wasserpreise Kaliforniens gebunden. Dank diesem können sich Landwirte, Hedgefonds und Kommunen gegen einen Wassermangel in diesem US-Bundesstaat absichern. Dadurch könnte die Unsicherheit hinsichtlich der Wasserpreise steigen, doch die Behandlung der Wasserressource als handelbares Gut legt damit die grundlegenden Menschenrechte in die Macht der Finanzinstitute sowie Investoren. (vgl. https://earth.org/causes-and-effects-of-water-shortage/ Zugriff 23.5.2022)

Leider decken die obigen Beispiele die Folgen der Wasserknappheit nicht ab. Es existieren noch zahlreiche, bedeutende Konsequenzen aus dem Wassermangel.

Versorgungsengpässe resultieren aus einer Wasserkrise

Lebensmittel und Pflanzen gedeihen in der Regel auf Feldern. Zu allem Überfluss benötigen sie eine laufende Bewässerung, welche natürliche Regenfälle nicht gewährleisten. Vor allem in Afrika kommt es zu existenzbedrohenden Ernteausfällen. Menschen aus den Industriestaaten sind sich darüber nicht im Klaren, weil sie von der Wasserknappheit weniger betroffen sind. In Afrika hingegen herrschen wahrhaftige Wasserkrisen. Dort ruinieren sie sogar Unternehmer, weil sie ihre Kunden nicht mit Lebensmitteln beliefern können.

Wasserknappheit bei Tieren
Wasserknappheit bei Tieren @umweltmission.de

Wasserkrise verstärkt Hungerkrise

Wenn Wasserknappheit dominiert, verdursten Tiere und Pflanzen. Die Ersteren benötigen genauso Trinkwasser wie Menschen. Oft gerät das in den Hintergrund, weil Tiere nicht sprechen, können. Wenn jedoch Pflanzen und Tiere unter dem Wassermangel leiden, nimmt der Welthunger zu.

Schmutziges Wasser begünstigt die Verbreitung von Krankheiten

Privathaushalte und Unternehmen treiben gleichermaßen ein verbotenes Spiel – eines, bei dem sie sich selber in das eigene Fleisch schneiden. Dennoch ignorieren sie dieses winzige Detail mit einer großen Wirkung. Unternehmen und Privathaushalte entsorgen ihren Müll – beruflich und privat – illegal in Flüssen. Dort kippen sie neben Abfällen auch Giftstoffe in Gewässer. Weil Seen und Flüsse dadurch verseucht sind, schrumpft die Trinkwassermenge um ein Vielfaches.

Schenkt man den Berichten von Unicef Glauben, dann nutzt mehr als die Hälfte der Menschheit (vier Milliarden) keine sauberen und sicheren Sanitäranlagen. Dadurch haben Krankheiten ein leichtes Spiel. Sie verbreiten sich wie ein gnadenloses Lauffeuer. Opfer der Geschichte sind kleine Kinder, weil ihr Immunsystem noch nicht stark genug ist, um die Krankheitserreger zu bekämpfen. Überschwemmungen, Flutkatastrophen und mangelndes, sauberes Trinkwasser verbreiten sich in Krankenhäusern ebenso rasant und stiften weiteres Unheil.

Wasserkrise fördert Bildungskrise

Auf den ersten Blick erscheint das paradox. Was hat eine Wasserkrise mit einer Bildungskrise zu tun? Ist das nicht ein wenig übertrieben? Ganz und gar nicht, wenn man den Zusammenhang analysiert. In Afrika haben Kinder meistens keine Schule in der Nähe ihrer Wohnstätte – auch Wasserquellen befinden sich oft fernab ihrer Häuser. Deshalb legen Kinder weite Wege zurück, um Wasser zu holen, anstatt einen regelmäßigen Unterricht zu besuchen.

Da nun die Ursachen und Folgen der Trinkwasserknappheit bekannt sind, stellt sich die Frage, welche Maßnahmen zur Bekämpfung der Wasserkrise infrage kommen. Denn Schwierigkeiten lassen sich am besten lösen, wenn deren Ursachen bekannt sind: Unternehmen sollen endlich aufhören ihre Abfälle und Giftstoffe in Flüsse und Seen zu kippen, damit kein Mensch mehr verdurstet.

Das wäre schön, wenn das so einfach wäre. Leider sieht die Realität anders aus. Allerdings gilt ein Kampf erst dann als verloren, wenn man ihn aufgibt. Deshalb lohnt es sich, den Kampf um die Trinkwasserknappheit nicht aufzugeben. Zudem signalisiert der Begriff Wasserkrise, dass auch ein Neuanfang mit einem richtigen Wirtschaften möglich ist, denn dafür steht die Bezeichnung Krise  – für einen Neuanfang.

Was können Privathaushalte gegen die Trinkwasserknappheit tun?

In der Praxis existieren zahlreiche Methoden, die einer Trinkwasserknappheit entgegenwirken. Mangelnde Informationen und ein mangelnder Wille zur Veränderung sind die zwei Bremsen, die der Wasserknappheit dabei helfen, fleißig voranzuschreiten.

Wasser weniger nutzen

Bei diesem Tipp rollen die einen oder die anderen genervt mit den Augen. Doch damit ist keine Vernachlässigung der persönlichen Hygiene gemeint. Denn in einem Haushalt existieren zahlreiche Möglichkeiten, die eine effektive Wassernutzung ermöglichen.

  1. Ein kurzes Duschen wirkt erfrischender als eine ewige Dusch-Session. Niemand muss während des Duschens 100 Liter Wasser verbrauchen. Kurz und kalt verbraucht weniger Wasser und weniger Energie. Natürlich ist es nicht sofort möglich, eiskalt zu duschen. Stattdessen funktioniert ein schrittweises “Heranpirschen” an eine kühlere Wassertemperatur als ideale Zwischenlösung.
  2. Während des Zähneputzens lässt sich der Wasserhahn einfach zudrehen. Denn leider neigen immer noch viele Menschen dazu, den Wasserhahn während des Zähneputzens laufen zu lassen.
  3. Regenwasser eignet sich wunderbar als natürliche Bewässerung. Ein Eimer auf dem Balkon oder auf der Terrasse fängt Regenwasser auf und dient als natürliche Bewässerung für Garten- und Balkonpflanzen.
  4. Eine volle Waschmaschine besiegt – früher oder später – die Wasserknappheit. Der Einsatz der Waschmaschine lohnt sich nur, wenn sie voll ist. Denn das spart Wasser und Energie. Deshalb sollte sie auch nicht jeden Tag zum Einsatz kommen.
  5. Leitungswasser trinken ist eine weitere Möglichkeit für Privathaushalte, aktiv gegen die Wasserknappheit vorzugehen. Außerdem lösen sich bei Plastikflaschen winzige Partikel, die in den menschlichen Organismus gelangen und den Hormonhaushalt schädigen. Diejenigen, die der Trinkwasserqualität aus dem Wasserhahn nicht trauen, können einen Filter nutzen. Entweder direkt am Wasserhahn einbauen oder einen mobilen Filter verwenden. Wenn das als Motivation nicht ausreicht, lohnt sich vielleicht die Betrachtung der monetären Anreize. Denn Wasserflaschen sind auf Dauer deutlich teuer als ein guter Filter. Um den Effekt der Abschreckung zu erhöhen, zahlt sich eine andere Rechnung aus: Wie viel kostet Wasser aus Plastikflaschen in einem Jahr?

Wasserverbrauchs-Rechner nutzen und clever mit Wasser wirtschaften

Im Internetzeitalter dominieren zahlreiche CO2-Rechner, weil der ökologische und der CO2- Fußabdruck mittlerweile kein unbekanntes Terrain darstellen. Der Wasserverbrauchsrechner hingegen steht noch zu Unrecht im Schatten der genannten Rechner. Dabei hilft dieser praktische Rechner Privathaushalten, ihren Wasserverbrauch zu tracken und zu reduzieren. Denn dadurch sehen Menschen, wo sie überall die Ressource Wasser gebrauchen. Infolgedessen können sie berechnen, wie hoch ihr täglicher Wasserbedarf ist.

Wasserverbrauchsrechnerhttps://coct.co/thinkwater/calculator.html

Bewusster Konsum wirkt einer weltweiten Wasserkrise entgegen

Die Trinkwasserknappheit resultiert aus zahlreichen Gewohnheiten der Bewohner der Industriestaaten. Ihr Konsumverhalten begünstigt den unkontrollierten Wasserverbrauch. Da dies jedoch ein Ursprung des Problems, kann ein bewusster Konsum genauso gut als Lösung des Problems dienen.

Privathaushalte, die auf regionale und saisonale Lebensmittel umsteigen, gehen aktiv gegen eine Nahrungsmittelverschwendung vor. Sie erzielen damit auch eine Senkung des indirekten Wasserverbrauchs. Orangen aus Spanien beanspruchen viel Wasser. Die Folge ist, dass der Wasserverbrauch steigt – die Wasserknappheit ebenso.

Geringerer Fleischkonsum kann ebenso einer Wasserknappheit ein wenig entgegenwirken. Denn Rinder benötigen mehrere Tausend Liter Wasser analog dazu erfordert ihr Futter eine intensive Bewässerung. Und bei allem Übel, war’s das immer noch nicht. Denn die Bauern reinigen die Rinderställe – mit Wasser natürlich. Auch wenn es schwer nachvollziehbar ist, ist es dennoch bitter und wahr: Ein Kilogramm Rindfleisch entsteht dank eines hohen Wasserverbrauchs, der sich auf 15.500 Liter Wasser beläuft. An dieser Stelle merken wir jedoch an, dass eine Reduktion des persönlichen Fleischkonsums kein Allheilmittel ist. Zudem sind es immer noch Unternehmen, die deutlich mehr Wasser verbrauchen; sie fördern Wasserkrisen in einem hohen Maß.

Fast Fashion ist in vielerlei Hinsicht keine gute Wahl. Stattdessen erfreuen sich Slow Fashion und Second Hand Textilien einer steigenden Beliebtheit, weil sie einer Trinkwasserknappheit entgegenwirken. Denn Fast Fashion erfordert einen intensiven Baumwollanbau. Zudem funktioniert der Anbau von Baumwolle am besten an den Orten, die der Regen kaum aufsucht. Aus diesem Grund nutzen Bauern das Wasser der umliegenden Flüsse und Seen. Sie trocknen schneller aus. Aus diesem Grund fördert Fast Fashion den Wassermangel – intensiv.

Wasserverbrauch in den Mittelmeergebieten reduzieren. Urlaubszeit ist die schönste Zeit im Jahr. Einen wichtigen Beitrag können Privathaushalte zum Wassersparen leisten, indem sie in den Urlaubsregionen in den Hotels kurz duschen, nachdem sie ohnehin im Meer ausgiebig ein Wasserbad genossen haben. Zahlreiche Hotels weisen auf die Wasserknappheit hin. Sie bringen Aufkleber an die Wasserhähne und Duschen an und bitten die Besucher, mit der Ressource Wasser umzugehen.

Die Verantwortung für die Wasserknappheit liegt in den Händen der Regierungen und Unternehmen

Selbstverständlich wäre es verantwortungslos, die Pflicht für die Bekämpfung des Wassermangels in die Hände der Unternehmen und Regierungen zu geben. Allerdings verfügen politische Akteure und Unternehmer über einen deutlich größeren Handlungsspielraum als Privathaushalte. An dieser Tatsache lässt sich nichts schönreden. Nur bedingt können Individuen gegen eine Wasserkrise ankämpfen. Die Politik benötigt Public-Private-Partnership-Projekte. Diese dienen dazu, um mit wirtschaftlichen Unternehmen, gemeinsame Projekte zu verwirklichen. Sie erzielen Win-Win- Situationen für alle Beteiligten. Zudem erfüllen sie die drei Säulen der Nachhaltigkeit.

Eine Wasserstrategie ist definitiv notwendig. Doch weder Unternehmen noch Regierungen können das Trinkwasser von einem Ort zu einem anderen umverteilen. Denn, wenn das so einfach wäre, hätten die Verantwortlichen das schon längst getan und alles wäre gut. Stattdessen erfordert eine Wasserstrategie die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik.

Als mögliche Lösungsansätze dient eine internationale Förderung von Wasserprojekten. Denn diese stehen zu Unrecht im Schatten der zahlreichen, internationalen Klimaschutzprojekte. Als weitere Methoden, die gegen den Trinkwassermangel dienen, sind Schutzprojekte von Weltmeeren und Flüssen. Strategische Entfernung der Plastikabfälle. Damit jedoch kein weiterer Plastikmüll im Meer landet, müssen Industrieunternehmen sich deutlich schärferen Kontrollen unterziehen. Behörden müssten dann den Wasserverbrauch samt Abwasserentsorgung genau unter die Lupe nehmen. Auch der Schutz von Wassereinzugsgebieten und Wäldern, die direkt an Flüssen und Seen wachsen, ist unverzichtbar. Weshalb lohnt es sich umliegende Wälder zu schützen? Weil sie als unterschätzter und wertvoller Wasserspeicher fungieren. (vgl. https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/16794.html Zugriff 25.5.2022)

Fazit zur Trinkwasserknappheit

Über die Trinkwasserknappheit sprechen weder Medien noch Menschen, die nicht davon betroffen sind. Der Schein trügt und jeder denkt, es sei noch genügend vorhanden, weil die Industriestaaten nicht darunter leiden. Das wird sich ändern, wenn die “reichen” Nationen diesen Mangel am eigenen Körper zu spüren bekommen, da bleibt nur zu hoffen, dass deswegen keine Kriege geführt werden.

Die Macht, etwas zu ändern, hat jedoch jeder Einzelne. Und diejenigen, die tatsächlich glauben zu unbedeutend zu sein, um eine Änderung zu bewirken, sollen ihre Augen schließen und sich vorstellen, wie wohl sie sich in ihrem 50-qm2 Schlafzimmer fühlen, wenn sie einen Moskito hören. Ist er nicht winzig im Vergleich zu einem Menschen und zu der genannten Zimmergröße? Bewirkt er nicht etwas? Ja, das macht er, denn er löst Unruhe, Sorgen und Ärger aus.

Genauso wie ein Moskito ganz und gar nicht zu klein und bedeutungslos ist, um etwas zu bewirken, genauso kann jeder Einzelne einen Beitrag im Kampf gegen die Wasserknappheit leisten. Denn niemand ist zu klein und bedeutungslos. Jede einzelne Tat zählt.

Das Artikel-Erscheinungsdatum: 17.06.2022