Entwaldung endlich anpacken: Definition & Maßnahmen

Nachdem die Entwaldung viel zu lange ignoriert wurde, rückt sie nun mittlerweile täglich immer mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Kategorisiert in Wissen
Klimawandel und Entwaldung
Klimawandel und Entwaldung

Das umfangreiche Thema Entwaldung muss einfach mit einem Zitat beginnen:

Es gab einmal einen Ort auf dem Blauen Planeten, der einem Paradies glich: Dieser Ort war das Zuhause von zahlreichen Pflanzenarten, Tieren und Menschen. Zudem versorgte diese schöne Fläche sämtliche Lebewesen mit Nahrung, Wasser und einem Dach über dem Kopf. Insekten liebten den Boden dieser besonderen Erdoberfläche, die Vögel liebten die Bäume der grünen Erdoberfläche und die Menschen liebten das Gefühl von Behaglichkeit, welches ihnen dieses faszinierende Fleckchen Erde schenkte. Dieses besondere Örtchen existiert nach wie vor auf dem blauen Planeten. Es ist grün. Allerdings ist diese “Grünfläche” flächenmäßig stark zurückgegangen. Die Verantwortung dafür trägt der Mensch. Wald lautet der Name des geheimnisvollen, schönen Örtchens.

Das Geheimnis des Waldes

Der Wald war schon immer wichtig, er ist immer noch wichtig und er wird auch weiterhin wichtig bleiben – unabhängig davon, wie die Menschen das sehen. Denn Pflanzen, Tiere und Menschen sind auf seine Existenz angewiesen. Wie aus der Geschichte hervorgeht, erfüllt der Wald zahlreiche Funktionen, von welchen sämtliche Lebewesen auf dem Blauen Planeten profitieren.

Gerade deshalb sollte der Mensch diesen Schatz respektvoll behandeln. Leider trifft das nur auf diejenigen zu, die sich mit diesem Thema befassen. Denn je mehr Unternehmen, Bildungsstätten und Privathaushalte über den Wald wissen, desto eher werden sie danach streben, diesen zu erhalten, anstatt ihn zu vernichten.

Leider leisten sich in der Praxis die Forstwirtschaft und der Raubbau einen erbitterten Konkurrenzkampf. Teilweise. Denn es kommt drauf an, um welchen Wald es geht. In Deutschland funktioniert die Aufforstung. Beim Tropischen Regenwald sowie bei den zahlreichen Mangrovenwäldern wiederum dominiert (noch) der Raubbau. In zahlreichen Regionen weltweit herrscht eine gnadenlose Entwaldung. (vgl. https://www.wald.de/waldwissen/der-wald/)

Entwaldung Definition

Der Begriff Entwaldung steht für eine systematische Zerstörung von Wäldern – durch Menschenhand. Waldzerstörung dient dabei als Oberbegriff. Verwandte Bezeichnungen, die häufig als Synonyme dienen, sind: Landnutzungsänderung, Abholzung, Rodung und Wiederaufforstung. (vgl. https://sns.uba.de/umthes/de/concepts/_00008402.html)

Entwaldung muss gestoppt werden
Entwaldung muss gestoppt werden @umweltmission.de

Die unterschätzten Funktionen des Waldes

Wichtige Funktionen erfüllt der Wald. Zu seinen Hauptfunktionen gehören:

  • Erholung: Neben dem Meer dient der Wald als unverzichtbares Naherholungsgebiet. Spaziergänger, Radfahrer, Reiter oder Kletterliebhaber verlassen sich auf die Kraft des Waldes. Sowohl im Sommer als auch im Winter genießen sie das Vogelgezwitscher, die frische Luft und die direkte Verbindung zur Natur. Der Aufenthalt im Wald lässt sich mit einem Akku eines Smartphones vergleichen. Wenn er leer ist, möchte er aufgetankt werden. Dasselbe trifft auf die menschliche Energie zu: Sie fließt zwar immer, dafür benötigt sie dennoch Ruhepausen und einen Aufladeort. Der Wald fungiert als Ort, um Energie aufzutanken. Personen, die sich regelmäßig in einem Wald aufhalten, können das bestätigen. Für die menschliche Psyche agiert der Wald als unverzichtbares Naturgut.
  • Klimaschutz: Der Wald dient als natürliche Klimaanlage. Insbesondere in Zeiten der Klimaerwärmung ist diese Funktion von großer Bedeutung. Denn der Wald senkt den Anstieg von Kohlenstoffdioxid.
  • Lärmschutz: Spaziergänger, die sich den Geräuschen des Waldes hingeben, können bestätigen, dass der Wald die Hektik und Lautstärke des Alltags erfolgreich bekämpft.
  • Trinkwasser: Neben einem angenehmen Vogelgezwitscher rauscht das Wasser in einem Wald. Schließlich fördern Wälder die Trinkwasserqualität. 
  • Bodenschutz: Der Wald schützt vor Erosionen und Lawinen. Eine Mehrheit kennt diese Funktion nicht. Sowohl Lawinen als auch Bodenerosionen stellen eine unterschätzte Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt dar. 
  • Naturschutz: Für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dient der Wald als natürlicher Lebensraum. Sie sind auf ihn angewiesen und können ohne den Wald nicht existieren. In Abhängigkeit vom Standort existieren auch Naturvölker, die den Wald als Lebensraum nutzen. Manche sind an einem Städteleben nicht interessiert, andere wiederum kennen den Lebensstil der Industriestaaten nicht. Das liegt daran, dass sie tief im Urwald leben und das Glück hatten, nicht von den selbsternannten, zivilisierten Menschen gefunden worden zu sein.
  • Hochwasserschutz: Ein Wald dient immer als praktischer und natürlicher Schutz vor Überschwemmungen. Den Beweis dafür liefern am besten Mangrovenwälder, die nah an zahlreichen Flüssen liegen. (vgl. In Anlehnung an: https://www.grube.de/blog/die-funktionen-des-waldes-unser-a-bis-z/)

In der heutigen, schnelllebigen und industrialisierten Welt denken die wenigsten Menschen über den Wald und seine Funktionen nach. Lediglich Umweltschutzorganisationen weisen auf die rasante Waldzerstörung hin. Und dann gibt es noch die “Anderen”, die ebenso den Wert des Waldes kennen. Allerdings gehören sie zu denjenigen, die den Wald missbrauchen. Sie holzen ihn gnadenlos ab, um daraus Profit zu schlagen. Meistens agieren Unternehmen und weniger Privathaushalte. Darüber hinaus genießen die sogenannten “Raubbauer” einen staatlichen Schutz. Denn, wenn es Gesetze zugunsten des Waldes gäbe, könnten die “Übeltäter” weniger bis gar nicht ihr Unwesen treiben.

Leider sind die Folgen der Waldzerstörung fatal – für Mensch, Tier und Umwelt gleichermaßen. Weshalb? Weil der Wald – hauptsächlich der Tropische Regenwald – als Lunge der Erde fungiert. Eine Entwaldung gleicht somit einer Selbstzerstörung. Doch anderweitige Katastrophen wie die Klimaerwärmung oder die Umweltverschmutzung lassen die Waldvernichtung im Hintergrund verblassen. 

Es existieren zwar Abkommen, die den Fortbestand des Waldes sichern sollen, doch ihre Bedeutung ist gering. Besser gesagt; nicht groß genug und noch nicht effektiv. Dennoch findet eine Änderung der Betrachtung auch in dieser Hinsicht statt. Dieser Beitrag bringt ein wenig Licht in die Dunkelheit. Zudem weist er darauf hin, was jeder Einzelne tun kann, um die Waldzerstörung nicht voranzutreiben. Denn das “Ich kann nichts tun” eines Einzelnen summiert sich auf 7 Milliarden – oder weniger, wenn Säuglinge und Kleinkinder aus dieser Statistik genommen werden.

Auf jedem Kontinent zerstören Menschen den Wald. Deshalb erfolgt nun eine differenzierte Darstellung der einzelnen Wälder auf den jeweiligen Kontinenten. Den Anfang macht der Tropische Regenwald, denn er ist die Lunge der Erde und rückt erst neuerdings in den Fokus des Waldschutzes.

Tropischer Regenwald
Tropischer Regenwald @umweltmission.de

Die Zerstörung des Tropischen Regenwaldes

25 Prozent aller Bäume gedeihen in den Tropischen Regenwäldern. Dennoch schreitet die gnadenlose Vernichtung voran. Achtung, nun folgt eine Aussage, die eine Selbstmord gleicht:

Von 2010 bis 2015 verschwanden sechs Millionen Hektar der tropischen Regenwälder. Selbstverständlich hat diese Wälder nicht der Erdboden verschluckt.

umweltmission.de

Verantwortlich für diesen Verlust sind anthropogene Maßnahmen. Dabei sind nicht nur die Bewohner der jeweiligen Länder schuld, sondern auch die Bürger der Industrienationen. Doch jedes ÜBEL, hat auch tatsächlich etwas GUTES. Denn wenn die Industrienationen die Zerstörung der tropischen Regenwälder vorantreiben, haben sie auch die Macht, vieles zu ändern. Energieverbrauch senken, nachhaltigen Lebensstil bevorzugen, der für den Erhalt des Tropischen Regenwaldes steht, sind nur kleine Beispiele, die beweisen, wie groß die Handlungsmacht von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten ist.

Die zahlreichen, dunklen Seiten der Vernichtung des Tropischen Regenwaldes

Mit der Entwaldung der Tropengebiete verbindet eine Mehrheit den ausgewählten Holzeinschlag. Doch es geht nicht nur um das Fällen und Transportieren der Bäume. Denn die Entwaldung beginnt bei zahlreichen Kleinigkeiten. Aha. Wo denn? In einem Einkaufswagen eines Privathaushaltes. Landet da eine günstige Schokoladencreme samt Palmöl oder Discount-Rindfleisch, können Verbraucher sicher sein, ein Stück systematische Regenwaldvernichtung zu kaufen. Denn in zahlreichen Alltagsprodukten verbirgt sich auf irgendeine Art der Tropenwald. Berichten zufolge belief sich die Entwaldung der Tropen auf 86 Millionen Hektar.

Regenwälder werden gerodet, weil die Industrienationen ihre Konsumlust schwer stillen können. Unternehmen roden den Wald nicht nur, um Holz zu gewinnen, sondern auch um Soja anzubauen, Dadurch kommt es zu einem Verlust der Artenvielfalt. Der Biodiversitätsverlust ist fatal, weil er unwiederbringlich ist. Knallhart ausgedrückt:

Die Entwaldung der Tropen gleicht der Selbstmordsünde, welche der Mensch nicht mehr bereuen kann.

umweltmission.de

Der Hauptgrund für die Tropenwaldzerstörung liegt in der Landwirtschaft. Kleinbauern und Großunternehmen sind an diesem Projekt gleichermaßen beteiligt. An dieser Stelle taucht die Frage auf: Ist es gerecht die Landwirtschaftsunternehmen als Sündenböcke darzustellen? Ein Kleinbauer bestreitet auf diese Weise seinen Lebensunterhalt. Von dem Verdienst ernährt er seine Familie. Bei der großflächigen Landwirtschaft sieht es jedoch anders aus. Diese kommt ebenso durch die Konsumlust der westlichen Länder zustande. Von der Gewichtung sind jedoch beide Ursachen gleich schwer. Es dominieren lediglich lokale Differenzen.

Darüber hinaus roden Großkonzerne den Regenwald, um an Rohstoffe wie Coltan, Erdöl, Kupfer und Gold heranzukommen. Denn unter dem Tropenwald sind immer noch zahlreiche Bodenschätze verborgen. Außerdem handeln Großunternehmen mit den bekannten Agrarrohstoffen wie Kakao, Holz, Soja und Palmöl. Zu den großen Abnehmern der genannten Rohstoffe gehört die Europäische Union, weil fast 40 Prozent der gehandelten Rohstoffe nach Europa transportiert werden. Diese Fakten liefern somit den Beweis, dass die Entscheidungsmacht von Privathaushalten und Unternehmen in der Europäischen Union groß ist. Die Entwaldung müsste logischerweise abnehmen, wenn die EU ihren Konsumstil hinterfragen und ändern würde.

Die EU ist jedoch nicht allein für die Entwaldung der Tropen verantwortlich. Immerhin unterstützen die Bewohner vor Ort die Zerstörung des Tropenwaldes. Wilderei und Holzhandel sind oft deren einzige Einkommensquelle, die zudem ihre Existenz sichert. Sie können nicht von heute auf morgen die Entwaldung stoppen. Stattdessen benötigen sie Anreize, die lukrativer sind als das Abholzen des Tropischen Regenwaldes. Gemüsegärten sowie eine Kleintierzucht auf den Flächen zur Selbstversorgung waren bisher kaum erfolgreich.

Bio-Kakao und Bio-Kaffee sowie Fairtradeprodukte sind bisher eine kleine, sinnvolle Alternative. Diese Landwirtschaftsmaßnahmen verzichten auf Pestizide. Dadurch schonen sie die Umwelt und erhalten die Gesundheit der Bauern. Außerdem werden dabei verschiedene Pflanzenarten angebaut, damit keine Monokulturen entstehen. Die Biodiversität bleibt dadurch erhalten. Demzufolge können Kleinbauern bei Ernteausfällen auf weitere Obst- und Gemüsesorten ausweichen. Das erhöht die Pflanzen- und Tiervielfalt im Regenwald. Allerdings handelt es sich dabei um Pilotprojekte, die noch nicht massenweise umgesetzt werden. (vgl. https://www.regenwald-schuetzen.org/regenwald-wissen/regenwald-zerstoerung ; https://de.statista.com/infografik/24619/globale-tropenabholzung-im-zusammenhang-mit-dem-internationalen-handel/)

Wie können Unternehmen und Privathaushalte die Zerstörung des Tropischen Regenwaldes aufhalten?

Privathaushalte können ihren Konsumstil hinterfragen. Sie sollten beim Einkauf auf Fairtrade- und Bio-Siegel achten. Die Produkte sind mittlerweile nicht mehr teurer als herkömmliche Erzeugnisse. Bei Obst und Gemüse sollten sie die saisonalen und regionalen Varianten bevorzugen. Natürlich geht das nicht immer. Bananen gedeihen einfach nicht überall. Sie werden eingeflogen. Aber dann können Verbraucher Bio-Bananen präferieren. Auch auf Schokolade und den geliebten Morgenkaffee müssen Genießer keineswegs verzichten. Denn es gibt Fairtrade-Produkte. Kleinigkeiten bewirken viel. Wer auf diese Weise nach und nach seinen Lebensstil ändert, hilft dabei, die Lunge der Erde nicht weiterhin zu zerstören.

Unternehmen können ebenso ihren Wirtschaftsstil hinterfragen. Bei ihren Beschaffungsmaßnahmen können sie, analog zu Privathaushalten, auf eine regionale Zusammenarbeit achten. Selbstverständlich verfolgen Unternehmen das Prinzip der Gewinnmaximierung. Dabei gilt es Kosten zu sparen. Doch wenn die Kosten auf niedrigen Beschaffungsmaßnahmen zu Lasten des Tropischen Regenwaldes beruhen, ist es an der Zeit, nachhaltig zu handeln. Deshalb sollte nur noch FSC-Papier und Holz im Unternehmen landen. 

Transparenz lautet das Zauberwort. Unternehmen sollten ihre Lieferketten offenlegen. Sie sollten ihren Verbrauchern offen kommunizieren, woher sie ihre Materialien beziehen. Und bitte kein Greenwashing betreiben. Denn dann passt die Mehrheit automatisch ihr Verhalten an. Viele Verbraucher möchten ihren Lebensstil zugunsten der Umwelt und der zukünftigen Generationen anpassen. Nachhaltiges Handeln poliert somit das Image der Unternehmens Das wiederum wirkt sich positiv auf den Gewinn aus. (vgl. https://www.forstpraxis.de/heimische-holznutzung-kann-tropenwaldzerstoerung-bremsen/ ; https://www.sueddeutsche.de/wissen/regenwald-abholzung-europa-1.5264029)

Video: Waldbrände im Amazonas
*Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren

Warum dennoch Gesetze gegen eine systematische Entwaldung notwendig sind

Es reicht nicht, an den Menschen- oder Unternehmensverstand zu appellieren. Auf freiwilliger Basis passieren Änderungen zugunsten der drei Säulen der Nachhaltigkeit kaum. Zu allem Überfluss weist der Tropische Regenwald einen entscheidenden Nachteil auf. Der wäre? Der Tropenwald fällt in die Kategorie öffentliches Gut. Das bedeutet? Er steht jedem zur Verfügung – so wie die Luft zum Atmen.

Schon aufgrund der Fläche kann der Tropenwald nicht in die Kategorie Privatbesitz fallen. Allerdings können Auflagen und Gesetze, welche die Entwaldung verbieten, Abhilfe schaffen

Der Ausbruch der Pandemie, welche nach wie vor den Alltag der Menschen beeinflusst, hat gezeigt, weshalb es wichtig ist, die Umwelt zu schonen: um sich selbst zu schützen. Es dominiert immer noch die Meinung, dass der Tropische Regenwald geschützt werden muss. Jein. Indem Privathaushalte und Unternehmen den Tropenwald schützen, schützen sie sich selbst, beispielsweise vor zukünftigen, weiteren, weltweiten Pandemien.

Im Gespräch waren deshalb entwaldungsfreie Lieferketten. Doch der Weg vom Gesetzesentwurf bis zur Umsetzung ist lang. Des Weiteren müssen zahlreiche Profis den Entwurf kontrollieren und absegnen. Anschließend sind die Unternehmen dazu verpflichtet, das Gesetz umzusetzen. Widerspruchslos müssen sie es jedoch nicht hinnehmen. Sie können auch klagen. Glücklicherweise beweisen aktuelle Umfragen, dass zahlreiche Bürger für ein Gesetz, das gegen die Entwaldung vorgeht, sind. Es ist mittlerweile – zumindest in den Industrienationen – angekommen, dass die gnadenlose Abholzung des Tropischen Regenwaldes einem Selbstmord gleicht. Die Pandemieverbreitung, die immer noch kein Ende nimmt, bestätigt diese Befürchtung. (vgl. https://www.wwf.de/2021/januar/aecker-und-felder-statt-regenwaelder)

Es ist ja schön, dass es in dieser Hinsicht vorangeht. Aber die Initiativen gegen die Entwaldung sind zu langsam. Während in der EU über unterschiedliche Gesetze und Auflagen gegrübelt wird, werden täglich Millionen Hektar des Tropischen Regenwaldes abgeholzt. Die Tropen sind jedoch nicht die einzigen Opfer einer gnadenlosen Entwaldung. Da gibt es auch noch die Mangrovenwälder, die ebenso unter der Entwaldung leiden. Ihre systematische Zerstörung kostet nicht nur Geld, sondern auch Menschen und Tiere das Leben.

Mangrovenwald in Gambia
Mangrovenwald in Gambia @umweltmission.de

Der wenig bekannte und unterschätzte Mangrovenwald

Mangrovenwälder fallen ebenfalls in die Rubrik der Tropenwälder. Ihr Anteil beträgt lediglich 0,7 Prozent an der Tropenwaldfläche. Dennoch genießen sie einen besonderen Status, weil sie zu den bedeutendsten und produktivsten Ökosystemen weltweit gehören. Klein, aber fein. Ihre ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen übertreffen die wenigsten Ökosysteme. Aufwuchshabitat für unterschiedliche Fischarten, Schutz vor Überschwemmungen oder Tsunamis, Kohlenstoffspeicher. All das kann ein Mangrovenwald. Multitasking. Und dennoch sind auch Mangrovenwälder Opfer einer systematischen Entwaldung.

Zwar haben zahlreiche Staaten mittlerweile einen gesetzlichen Schutz für die Mangrovenwälder eingeführt, doch der Schutz steht in einem erbitterten Konkurrenzkampf mit anderen, gewinnorientierten Unternehmungen. Die Abholzungsrate ist hoch, weil die Fläche für die Landwirtschaft genutzt wird.

Warum die Entwaldung der Mangroven aufhören muss

Forscher haben anhand von Satellitenbildern und unterschiedlichen Analyseinstrumenten die Ausdehnung der Mangrovenwälder im Jahre 1996 berechnet. Danach haben sie beobachtet, wie sich ein Mangroven-Bildpunkt mit der Größe 30 x 30 Meter in der Zeitspanne von 2007 bis 2016 verändert hat. Ihre Schätzungen belegen, dass einst in Myanmar deutlich mehr Mangroven existierten als bisher angenommen. Leider wurden in den letzten 20 Jahren über 60 Prozent sämtlicher Mangroven in diesem Land entweder vorübergehend oder dauerhaft zweckentfremdet – für den Anbau von Kautschuk, Reis und Ölpalmen. Die Urbanisierung ist ebenfalls verantwortlich für die Entwaldung der Mangroven.

Auch wenn die aktuellen Fisch- und Garnelenfarmen lediglich einen minimalen Anteil an der Zweckentfremdung ausmachen, könnte sich dies bald ändern. Selbst wenn die genannten Nutzungsformen des Landes wirtschaftlich von hoher Bedeutung für den Staat sind, rechtfertigt das nicht die Zerstörung der Mangrovenwälder. Die Gründe für die Entwaldung sind in einem Vergleich mit den Motiven für einen Fortbestand der Mangroven definitiv nicht vereinbar.

Mittlerweile sind somit fast zwei Drittel der Mangroven von der Bildfläche verschwunden. Wenn die Regierung des Landes keine ganzheitlichen Strategien entwickelt, um den bedeutendsten Lebensraum zu erhalten, werden die Mangroven in einer nahen Zukunft Geschichte sein. Wie die Dinos oder Mammuts. Aber es gibt einen Funken Hoffnung, dass dieser Fall nicht eintritt. Denn die Regierung von Myanmar möchte ein Teil der örtlichen und internationalen Märkte für Landwirtschafts- oder Aquakulturprodukte werden. Deshalb kann sich das Schicksal der Mangroven, bevor sie für immer zerstört sind, zum Guten wenden. Es hängt von der Stärke der Regierung sowie von deren Schutzmaßnahmen ab. Sofern die Planung langfristig ist, könnte sich dieses resistente und kämpferische Ökosystem regenerieren und in der Zukunft bestehen bleiben. Allerdings muss die Politik das Ziel der Erhaltung verfolgen. (vgl. https://iopscience.iop.org)

Aufnahme einer Brandrodung
Aufnahme einer Brandrodung @umweltmission.de

Weshalb zerstört die lokale Bevölkerung den Tropischen Regenwald sowie die Mangrovenwälder?

Weil die Anreize für die Erhaltung der Wälder deutlich geringer sind. Außerdem wächst die Konsumlust der Menschen. Des Weiteren wächst die Weltbevölkerung. Dadurch steigt der Bedarf an Rohstoffen und Dienstleistungen. Ein Aspekt steht im Vordergrund, obwohl er in der Öffentlichkeit unter dem Siegel der Verschwiegenheit verbleibt. Ölvorkommen. Ja, in diesem Fall sind die Ölgesellschaften die Bösewichte. Oder doch nicht? Sind nicht Unternehmen und Privathaushalte gleichermaßen dafür verantwortlich? Denn zahlreiche Wirtschaftssubjekte benötigen das Öl für ihren Lebensstil.

Ölfirmen beuten den Regenwald aus, weil sie riesige Straßen durch die unberührte Landschaft bauen. Sie wollen dadurch ihre Pipelines verlegen, damit sie das Erdöl fördern können. Mit diesen Aktionen ermutigen sie jedoch Siedler, den unberührten Regenwald durch Brandrodung zu vernichten. Denn dadurch erhalten sie Holz, welches sie für die Produktion von Holzkohle verwenden. Profitgier, willkommen. Leider brechen die Ölpipelines manchmal. Und dann verursachen sie Katastrophen für Tiere und Wald. Ach ja, auch die umliegenden Dörfer erhalten anschließend verseuchtes Wasser. Krankheiten breiten sich dadurch aus. Aber das interessiert so gut wie keinen, bis sich die verbreiteten Krankheiten in Pandemien verwandeln. Und dann wundern sich die meisten Menschen, woher die Krankheiten stammen.

Neben der Weltbank investieren Großkonzerne eine Menge Geld in Schwellen- und Entwicklungsländer, um Dämme zu bauen. Sie wollen damit Strom erzeugen. Dabei verkaufen sie diese Vorgehensweise als erneuerbare Energie. Allerdings verschweigen sie die Tatsache, dass auf diese Weise große Gebiete der Regenwälder überflutet werden können. Des Weiteren halten Dämme in Regenwaldgebieten nicht lang. Das liegt daran, dass die überschwemmte Waldfläche schnell verrottet. Im Anschluss wird das Wasser im jeweiligen Stausee sauer. Demzufolge korrodieren die Turbinen des Staudamms. (vgl. https://www.rainforestconcern.org/forest-facts/why-are-rainforests-being-destroyed)

Die weltweite Entwaldung

Kurz nach der letzten Eiszeit, also vor ungefähr 10.000 Jahren war der Blaue Planet von einer Waldfläche in Höhe von 57 Prozent bedeckt. Wissenschaftler beziehen sich bei diesen Ziffern auf die bewohnbare Landfläche. Wüsten und Gletscher fallen deshalb nicht in die Kategorie “bewohnbar”. 57 Prozent waren einst sechs Milliarden Hektar. Mittlerweile beläuft sich die Ziffer auf 4 Milliarden Hektar. Somit sind 30 Prozent des Waldes durch anthropogene Maßnahmen verloren gegangen. Das ist übrigens die zweifache Fläche der Vereinigten Staaten.

Seit der letzten Eiszeit sind 30% des globalen Waldbestands durch anthropogene Maßnahmen verloren gegangen

Umweltmission.de

Seit jeher war der Mensch auf die Ressourcen des Waldes – insbesondere Holz – angewiesen. Allerdings hat er diesen nicht dermaßen ausgebeutet. Vor 5.000 Jahren gingen lediglich 10 Prozent der weltweiten Waldfläche verloren. Denn damals war die Anzahl der Menschen deutlich geringer. Weltweit gab es nicht einmal 50 Millionen Menschen. Zwar benötigten die Menschen schon damals eine große Landfläche, um gesunde Nahrungsmittel herzustellen, doch dank der deutlich geringeren Anzahl an Menschen stand der Wald nicht unter Druck. Er musste nicht gnadenlos gerodet werden, um Platz für Lebensmittelfelder zu schaffen.

Im Jahr 1700 war die Weltbevölkerung hingegen auf das Zehnfache gewachsen. Es gab 600 Millionen Menschen. Logischerweise stieg dadurch der Bedarf an Landnutzungsfläche. Feldfrüchte und Weideland für das Vieh waren notwendig. Deshalb breitete sich die Landnutzung auf Gebüsch, Grasflächen und bewaldete Gebiete aus. Trotz dieser Bedürfnisse blieben weiterhin mehr als 50 Prozent der bewohnbaren Landfläche bewaldet. Als jedoch die Wende des 20. Jahrhunderts eintrat, erlitt die weltweite Entwaldung ihren Höhepunkt: Denn die Hälfte des Waldverlustes ereignete sich im Zeitraum zwischen 8.000 vor Christus und 1900. Die andere Hälfte passierte im letzten Jahrhundert. (vgl. https://ourworldindata.org/deforestation)

Die Entwaldung ist so alt wie der Mensch

Einen wichtigen Beweis liefern die erwähnten Fakten: Die Entwaldung war schon immer eine Herausforderung für Mensch, Tier und Umwelt. Sogar kleine Bevölkerungsgruppen verursachten einen hohen Waldverlust. Denn im Jahr 1900 gab es nur 1,65 Milliarden Menschen auf dem Blauen Planeten. Heute sind es fünf Mal so viele. Aber in der Vergangenheit rodeten die Menschen dennoch intensiv den Wald. Sogar ihr einfacher Lebensstil deutet darauf hin, dass ihr ökologischer Fußabdruck pro Kopf sehr groß war. Denn ihre geringe Landwirtschaftsproduktion sowie die Abhängigkeit von Brennholz waren mit einer konsequenten Waldrodung verbunden.

Des Weiteren sprechen die Zahlen ein wichtiges Thema an: Im letzten Jahrhundert schritt die Entwaldung rasant voran. In 100 Jahren hat der Blaue Planet so viel an Waldfläche verloren wie in den letzten 9.000 Jahren insgesamt. Die große landwirtschaftliche Nutzung fungiert als Hauptverursacher für den dramatischen Entwaldungsprozess. 1950 war die landwirtschaftliche Nutzungsfläche fast so groß wie die Waldfläche. Der Anteil der Ersteren belief sich dabei auf 43 Prozent. Bis 2018 stieg er auf 46 Prozent an. Wohingegen der Anteil der Waldfläche auf 38 Prozent sank.

Eine Mehrheit verbindet mit dem steigenden Druck auf die Bodenfläche, welche aus der modernen Bevölkerung resultiert, moderne Metropolen. Allerdings machen die städtischen Flächen nur 1 Prozent der weltweit bewohnbaren Landfläche aus. Denn der ökologische sowie der CO2-Fußabdruck resultieren aus den Essgewohnheiten der Menschen und nicht aus dem Ort, an welchem sie leben.

Video: Finnland: Kampf gegen Abholzung
*Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren

Entwaldung in Europa

Mit Entwaldung verbindet die Mehrheit die Zerstörung des Tropischen Regenwaldes, obwohl Europa ebenso unter der Waldvernichtung leidet. Studien belegen, dass die gerodete Fläche in Europa in den letzten 20 Jahren stark angestiegen ist. Denn die Waldfläche war im Zeitraum von 2015 bis 2018 um fast 50 Prozent größer als im Zeitraum zwischen 2011 und 2015. Der Verlust an Biomasse war um 69 Prozent höher als die Jahre davor. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben sogar ihre Abholzungsrate gesteigert. Das gilt insbesondere für die Staaten, die über riesige, alte Waldflächen verfügen: Finnland, Schweden, Polen und Rumänien. (vgl. https://wilderness-society.org/deforestation-in-europe-increases/)

In Europa haben vermutlich die erneuerbaren Energien die rasante Entwaldung vorangetrieben. Denn der Anteil von Holz an den alternativen Energien beträgt 60 Prozent. Weil die Holznachfrage in zahlreichen Ländern massiv ansteigt, steigt proportional dazu die Entwaldung an. In Deutschland stieg die Rate der Rundholzimport um ein Drittel an; seit 2014. Die Exporte haben in den Nachbarstaaten Mitteleuropas stark zugenommen. Somit ist die Entwaldung in Europa genauso besorgniserregend wie die Zerstörung des Tropenwaldes. Denn der Blaue Planet verliert jährlich 260.000 Quadratkilometer an Waldfläche. Zum Vergleich: So groß ist das Vereinigte Königreich.

Fälschlicherweise glaubt eine Mehrheit es geht lediglich um die riesige Menge des geschlagenen Holzes: Dabei ist das nicht die einzige Herausforderung, die einer Änderung bedarf. Stattdessen hat die Art der Holzernte den größten Einfluss auf den unwiederbringlichen Waldverlust: Denn die kahlen Flächen sind anfälliger für Bodenerosionen, den Verlust der Artenvielfalt und für Dürre. Wälder in Europa sind genauso wichtig für die Biodiversität oder den Bodenschutz wie der Tropische Regenwald, auch wenn sie nicht die Bezeichnung “Lunge der Erde” haben.

Eine weitere, unterschätzte Triebkraft der Waldvernichtung in Europa ist das Zusammenspiel der Klimaerwärmung, ihren Konsequenzen und den Reaktionen der Förster. Überall hinterlässt der Anstieg von CO2 seine verheerenden Spuren. Auch die Wälder bleiben von diesen Folgen nicht verschont. Die künstlichen Fichtenmonokulturen lösen dieses Problem auch nicht. Zu allem Überfluss häufen sich Umweltkatastrophen wie Waldbrände oder der Windwurf. Das liegt daran, dass die Bäume schwach und trocken sind. Sogar primäre Laubwälder, in welchen Borkenkäfer eine Nebenrolle spielen, sind Opfer von Trockenheit. In einigen Ländern sind mehr als 80 Prozent der Bäume krank oder stark beschädigt. Als Standardantwort auf den Windwurf, die Waldbrände sowie die Borkenkäferausbrüche dient immer der radikale Holzeinschlag. Weshalb gehen die Förster so vor? Weil sie auf diese Weise die Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten aufhalten wollen. Außerdem verdienen sie auf diese Weise noch Geld mit dem geschädigten Wald. 

Ist es möglich die weltweite Entwaldung zu stoppen?

Studien belegen, dass der Höhepunkt der internationalen Entwaldung nach 1980 übertroffen wurde, aber seitdem dennoch einen Rückgang verzeichnet. Ein Blick auf den Verlust der Waldflächen seit 1700 dient als Erklärung. Eine Steigerung der Ernteerträge steht für einen sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch. Sinkender Verbrauch für was? Na, für die landwirtschaftliche Nutzfläche. Denn seit 1961 hat die Nutzung der Landwirtschaftsflächen lediglich um 7 Prozent zugenommen. Zugleich nahm die Anzahl der Menschen weltweit zu. Von 3 Milliarden auf 7,5 Milliarden ist sie gestiegen. Demzufolge halbiert sich die Landwirtschaftsnutzfläche von 1,45 auf 0,6 Hektar pro Kopf.

Die Welt hat den maximalen Punkt der Landwirtschafsnutzfläche übertroffen. Außerdem schreitet die Technik permanent voran. In Laboren züchten Wissenschaftler Fleisch und andere Ersatzprodukte. Dadurch können Menschen weiterhin Fleisch und Lebensmittel, die ähnlich schmecken, genießen, ohne eine große Menge an Land zu beanspruchen. Technische Innovationen fungieren als Hoffnungsschimmer für das Beenden der Entwaldung. (vgl. https://ourworldindata.org/deforestation)

FLEGT als Hoffnungsschimmer gegen Entwaldung?

FLEGT ist ein Abkommen, welches die Rechtsdurchsetzung, die Politikgestaltung und den Handel im Waldsektor repräsentiert. Dabei handelt es sich um die Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnung Forest Law Enforcement Governance and Trade. Bereits im Jahre 2003 hat die EU diesen Aktionsplan aufgestellt. Das Ziel bestand darin, den Raubbau zu reduzieren und stattdessen die nachhaltige Forstwirtschaft zu fördern. Zahlreiche Staaten haben sich an diesem Aktionsplan beteiligt, um dem illegalen Holzeinschlag den Kampf anzusagen.

Sieben Maßnahmen beinhaltet der Plan, um den Import von illegalem Holz in die Europäische Union zu verhindern. Dabei soll das Angebot an legalem Holz steigen.

  • Länder, die Holz herstellen, unterstützen
    • Die EU unterstützt Staaten, die aktiv gegen Raubbau vorgehen wollen, mit finanziellen und technischen Mitteln. Mit dieser Unterstützung sollen die Länder ein Legalitätssicherungssystem für den Rohstoff Holz aufzubauen. Außerdem können sie mit den Mitteln Transparenz fördern. Die Politik kann ebenso Reformen durchführen. Denn die EU-Politik verlangt gerechte Lösungen. Der illegale Holzeinschlag soll demzufolge weniger lukrativ erscheinen als ein legaler Holzhandel. Zudem sollen die Menschen, die in Armut leben einen Vorteil erzielen, indem sie legales Holz zur Verfügung stellen.
  • Förderung eines legalen Holzhandels
    • Kooperieren statt konkurrieren; so lautet die Devise. Das Ziel besteht darin, die bedeutendsten Holzverbraucher als Handelspartner in den Aktionsplan einzubeziehen. Dadurch soll kein Holz, das aus Raubbau stammt, auf den Markt kommen. In dieser Hinsicht liegt die Kooperation zwischen Japan, den Vereinigten Staaten und der EU im Vordergrund, weil sie wichtige Holzabnehmer sind. Des Weiteren kämpft die EU darum, China in diesen Aktionsplan zu integrieren. Das FLEGT-Abkommen regelt den Holzimport. Außerdem muss die EU-Holzverordnung, welche seit 2013 in Kraft trat, berücksichtigt werden.
  • Unterstützung einer ökologischen und sozialverträglichen Beschaffungspolitik
    • Zu den bedeutendsten Holzverbrauchern der EU zählen öffentliche Infrastrukturprojekte. Deshalb liegt das Schlüsselelement von FLEGT darin, dass Rechtsvorschriften und ökologische Aspekte bei der Käuferwahl beachtet werden. Außerdem erläutert das Handbuch der EU-Kommission, wie Behörden Sorge tragen können, dass lokale und internationale Nachhaltigkeitsziele verwirklicht werden.
  • Integration des Privatsektors
    • Die Europäische Kommission stellt den Staaten, die von Raubbau betroffen sind, finanzielle und technische Mittel zur Verfügung, damit sie ihre Lieferketten weiterhin freihalten können – vom Raubbau. FLEGT stellt sicher, dass die Rohstoffe aus geprüft wurden, ehe sie ihren Weg in die Lieferkette fanden.
  • Finanzierung der Investitionsgarantien
    • Großinvestitionen, wie eine neue Infrastruktur, fördern in wirtschaftlich schwachen Ländern den Raubbau. Deshalb ermutigt das FLEGT-Abkommen Investoren, Banken sowie Finanzinstitute, Due-Diligence-Verfahren anzuwenden, damit sie negative soziale sowie ökologische Konsequenzen in den Wäldern begrenzen. Des Weiteren weist das Abkommen Investoren darauf hin, Vorsicht walten zu lassen, wenn es sich um Flächen handelt, deren Landbesitz nicht eindeutig geregelt ist.
  • Rechtsvorschriften anwenden
    • Die EU-Holzverordnung, welche am 3. März 2013 in Kraft getreten ist, verbietet den Handel von Holz, das aus Raubbau stammt, auf europäischem Territorium. Dadurch soll das Risiko von illegal geschlagenem Holz und dessen Handel minimiert werden. Unternehmen, die Holzprodukte anbieten, müssen demzufolge sicherstellen, dass ihre Produkte nicht illegal sind. Sorgfaltspflicht lautet der Name dieser Bemühungen. Siegel und Aufzeichnungen dienen als Information.
  • Berücksichtigung der Herausforderung, die aus dem Konfliktholz resultiert
    • Gewinne beschwören Konflikte herauf. Das gilt insbesondere für kurzfristige Gewinne, mit langfristigen, negativen Auswirkungen. Diejenigen, die auf den Gewinn fixiert sind, haben auch keine Angst davor, Gewalt anzuwenden. Deshalb befasst sich das FLEGT-Abkommen mit einer internationalen Definition von Konfliktholz. Mehr noch. Das Abkommen stellt sicher, dass die Hilfsprogramme der EU, die Bedeutung der Wälder in gewaltlosten und gewalttätigen Konflikten nicht vernachlässigen.
Klimawandel und Entwaldung
Klimawandel und Entwaldung

Entwaldung erfolgreich und dauerhaft bekämpfen

Weshalb schreitet die Entwaldung weltweit dermaßen schnell voran? – Ganz einfach: Weil offensichtlich der Nutzen der Waldvernichtung höher ist als der Nutzen der Walderhaltung. Moment. Stopp. Halt. Ist das wirklich so? Nun, es kommt auf den Blickwinkel der Betrachtung an. Für die Raubbauer ist das illegale Holzfällen sicherlich attraktiver. Für diejenigen, die weiterdenken, sicherlich nicht. 

In der Umweltökonomie argumentieren Umweltökonomen mit dem Aspekt des Nutzens. Normalerweise ist der ökonomische und ökologische Wert sämtlicher Wälder deutlich höher, wenn sie stehen gelassen werden. Aha. Die Biodiversität bleibt erhalten. Sie ist für den gesamten Blauen Planeten unverzichtbar. Bäume speichern Kohlenstoff. Dadurch wirken sie der Klimaerwärmung entgegen. Für zahlreiche Naturvölker, die insbesondere in den Tropischen Regenwäldern leben, ist der Wald ihr Zuhause. Tropenwälder liefern neben zahlreichen Obst- und Gemüsesorten Kräuter, die als Heilpflanzen eine positive Wirkung auf die menschliche Gesundheit erzielen. Der Nutzen der Umwelt ist generell höher, wenn sie geschont wird.

Allerdings sind nur wenige Unternehmen und Privathaushalte daran interessiert, etwas gegen die weltweite Entwaldung zu unternehmen. Anreize könnten diese sture, rigide Einstellung ändern. Neben Anreizen, die als Motivation dienen, fungieren Gesetze als das Sahnehäubchen auf der Torte. Die EU-Kommission hat begriffen, dass die Entwaldung kein Umweltproblem ist, das weiterhin eiskalt ignoriert werden kann.

Entwaldung mithilfe von Gesetzen stoppen

Berichten zu Folge hat die Erdoberfläche zwischen 1990 und 2020 420 Millionen Hektar an Wald verloren. Diese Fläche ist so groß wie die gesamte Europäische Union. Palmöl. Soja. Kakao. Rindfleisch. Kaffee. Diese Produkte treiben die Abholzung des Tropischen Regenwaldes zügig voran. Zu allem Überfluss gilt gerade die EU als großer Abnehmer der genannten Lebensmittel. Dank der heutigen Medien haben jedoch verantwortungsvolle Bürger der Europäischen Union verstanden, dass die Waldzerstörung mehr den Menschen schadet als der Umwelt. Deshalb werden die Forderungen der EU-Bürger nach einem Stopp der gnadenlosen, schnellen Abholzung stets lauter.

Wenn sich das Volk gegen bestimmte Untaten erhebt und vereint, dann bleibt den politischen Akteuren keine andere Wahl als auf die Forderungen zu reagieren. Deshalb will die EU die Einfuhr von Lebensmitteln, die den Tropischen Regenwald die Existenz gekostet haben, verbieten. Umweltpolitiker loben diesen ehrgeizigen, zukunftsweisenden Vorstoß der EU. Schließlich zielt er nicht nur auf die illegale Waldrodung ab, sondern auch auf die landwirtschaftliche Expansion.

Bei der Klimakonferenz war die Waldrodung ebenfalls ein Thema. Zahlreiche Länder hatten sich dazu bereit erklärt, Anstrengungen zu unternehmen, welche die illegale Waldrodung betreffen, zu unternehmen, um das Übel zu beenden. Von diesem Gesetz sollen insbesondere Brasilien sowie Indonesien profitieren. Des Weiteren hat sich die EU dazu bereit erklärt, die eigenen Abfälle selbst wiederzuverwerten. Denn im Jahre 2020 haben EU-Staaten mehr als 30 Millionen Tonnen Müll in andere Staaten exportiert. Dabei haben sie sich auf Länder fokussiert, deren Recycling-Standards niedrig sind. Allerdings handelt es sich bei diesem Gesetz um einen Entwurf, der noch nicht in Kraft getreten ist. Damit sollen auch illegale Mülltransporte gestoppt werden. Die sind nach wie vor noch ein Tabuthema, welches jedoch einen unterschätzten Beitrag zu einer Umweltverschmutzung leistet. (vgl. https://de.euronews.com/2021/11/17/ehrgeiziger-vorsto-der-eu-kommission-gesetz-soll-regenwald-abholzung-stoppen)

Fazit zur Entwaldung

Nachdem die Entwaldung viel zu lange ignoriert wurde, rückt sie nun mittlerweile täglich immer mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung; für Unternehmen und Privathaushalte gleichermaßen. Lange Zeit wurde die Entwaldung auch ignoriert, weil sie Wirtschaftssubjekte fälschlicherweise im Glauben ließ: “Es ist doch noch genug Waldfläche da und zur Not werden wir einfach aufforsten.” Dass es sich dabei allerdings um einen Sekundärwald samt Monokultur handelt, hat eine Mehrheit getrost und bewusst ausgeblendet.

Darüber hinaus waren die Entwaldung Folgen nicht sofort spürbar. Der Klimawandel hingegen zwang Menschen, schneller zu agieren. Auch wenn es momentan mit den Gesetzen zum Schutz der Wälder vorangeht, steckt diese Entwicklung noch in den Kinderschuhen. Und während die Gesetzesänderungen in einem Schneckentempo vorankriechen, schreitet die Entwaldung im Eiltempo voran. Aber mit seiner Aussage hatte Martin Luther King absolut Recht:

“Wenn Sie nicht fliegen können, dann rennen Sie. Wenn Sie nicht rennen können, dann gehen Sie. Wenn Sie nicht gehen können, dann kriechen Sie. Was auch immer Sie tun, Sie müssen weitermachen.”

Dieses Zitat passt auch wunderbar auf die Entwicklungen der Gesetze zum Schutz der Wälder. Die Hauptsache ist, dass diese voranschreiten – unabhängig von der Geschwindigkeit. Denn nüchtern betrachtet, benötigt die Umwelt – oder in diesem Fall der Wald – den Schutz der Menschen nicht. Stattdessen muss der Mensch den Wald schützen, um weiterhin auf der Erde existieren zu können. Eine Waldzerstörung gleicht einer Selbstzerstörung. Schließlich braucht die Umwelt die Spezies Mensch nicht, aber der Mensch ist auf eine “intakte” Umwelt angewiesen.